eBook-Welt

Zafon schickt seine Leser in den Schatten des Windes

Zafon - Der Schatten des WindesVon Carlos Ruiz Zafon hört man bisweilen nur Positives. Der Katalane hat sich in den letzten Jahren wirklich einen verdienten Namen gemacht. Wohlgemerkt nicht nur innerhalb der spanischsprachigen Literaturwelt. Seine Romane feierten auch außerhalb der heimischen Grenzen große Erfolge und stiegen binnen kurzer Zeit zum internationalen Bestseller auf. „Der Schatten des Windes“ gehört da definitiv dazu. Bei meinem ersten Leseerlebnis mit Zafons Büchern habe ich schnell erfahren können, warum dieser Mann derart viele Leser für sich gewinnen konnte. Sein Schreibstil in Verbindung  mit einem thematischen Hintergrund, der Lesefans einfach fesseln muss, lädt praktisch zum Seitenverschlingen ein.

Mit Der Schatten des Windes beginnt die Barcelona-Reihe

Schon 2001 veröffentlichte der heute 50-Jährige den ersten Band der Barcelona-Werke, die auch als Reihe „Friedhof der vergessenen Bücher“ bekannt wurde. Diese Bezeichnung gibt bereits einen ordentlichen Einblick, worum es in den mittlerweile drei Werken dieser Art geht. Protagonist Daniel Sempere macht als kleiner Junge mit seinem Vater einen ihn besonders prägenden Ausflug. Der Buchladenbesitzer nimmt seinen Sohn mit in den „Friedhof der vergessenen Bücher“ – Eine Art Archiv ganz besonderer literarischer Stücke. Aus dessen Bestand darf sich der kleine Daniel ein Buch aussuchen, er muss es in der Folge hüten. Genau das macht der Knirps und schlägt selbst großzügige Angebote aus. Später, frisch mit der Volljährigkeit gesegnet, beginnt der junge Mann über das Buch und seinen Autor Nachforschungen anzustellen. Es gehört zum Programm Zafons, dass sich der historische und der moderne Strang mehr und mehr miteinander verflechten.

Historische Suche im Barcelona der Nachkriegsjahre

Folgt man dem Geschehen, lässt es sich immer schwerer sagen, ob die Geschichte des besagten Autors, des erfolglosen Julian Carax, oder die von Daniel Sempere selbst erzählt wird. Carax hat viel verloren, weil er ein Mädchen liebte, deren Zukunft aufgrund der gesellschaftlichen Stellung in anderen Bahnen vorherbestimmt schien. Auch Daniel verliebt sich in eine junge Dame, für die andere Pläne gemacht wurden. Neben diesem, noch Stände bezogenen, Denken bekommt der Leser von „Der Schatten des Windes“ auch ein hervorragenden Einblick in den gesellschaftlichen Alltag auf Barcelonas Straßen während der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Menschen werden von der Polizei verfolgt und malträtiert, weil sie andere politische Gesinnungen besitzen. Letztlich ist genau dieses Denken in Kategorien der Grund für das gescheiterte Leben von Julian Carax, dessen Geschichte Daniel nach und nach immer mehr aufbröselt.

17 Dec
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