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Wieder mal ein Grangé in Bestform

Grange - Die Wahrheit des BlutesSkandinavische Krimiautoren könnte man selbst bei einer Befragung nachts um vier noch ohne Probleme nennen. Auch den einen oder anderen deutschen Vertreter könnten selbst diejenigen hervorbringen, die ihre Nasen nicht ständig in Lektüre dieser Art stecken. Von den US-Amerikanern wollen wir mal gar nicht erst reden. Wie aber verhält sich das bei unseren Nachbarn aus Frankreich?  Da wirkt es nicht einmal ungebildet, wenn man nicht sofort einen Krimivirtuosen nennen kann. Na ja zumindest Jean-Christophe Grangé aber sollte da schon durch die neuronalen Bahnen strömen. „Die purpurnen Flüsse“ haben es mit einem Jean Reno in Bestform ja auch auf die Leinwand geschafft. Ob das in naher Zukunft auch für „Die Wahrheit des Blutes“ gilt, lässt sich nicht sagen. Literarisch gesehen hat der Franzose aber wieder mal ordentlich abgeliefert.

Ein Muskelprotz als Kommissar und ein Hermaphrodit als Killer

Olivier Passan wirkt nicht wirklich wie einer der üblichen Ermittler, die in Krimis in Erscheinung treten. Der Einzelgänger scheint reichlich pumpen zu gehen, trägt auf dem Kopf einen Bürstenhaarschnitt und wirkt auch sonst eher wie ein Mitglied einer Sondereinheit der Armee. Dass er mit seinen Kollegen kaum klar kommt, liegt aber nicht nur an ihm. Wie soll man schon mit Leuten arbeiten, die öfter mal benebelt ihrem Job nachgehen. Gegenüber steht ihm ein Killer, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat, also stets einen Doppelmord vollbringt. Dass es sich dabei um Patrick Guillard handelt, bekommt der Kommissar schnell heraus. Wie er dem Hermaphroditen das nachweisen soll, weiß er nicht.

Probleme im eigenen Haus

Doch nicht nur der aktuelle Fall beschäftigt Passan. Natürlich läuft es auch privat alles andere als rosig. Zwar lebt er noch mit Gattin Naoko in der gemeinsamen Villa, wirklich gemeinsam ist da aber nichts mehr. Passan schläft im Keller des Hauses, hat sich diesen ganz nach dem Fablé für Japan auch dementsprechend eingerichtet. Fokussiert darauf, Guillard zu schnappen, registriert er nicht sofort, dass bei ihm zuhause etwas Komisches vor sich geht. Später hält er es für einen Racheakt des Täters, dem er gefährlich nahe kommt. Auch Naokos Vergangenheit aber wirft so manch dunklen Schatten ins Spiel. Zwischen Täter und Verfolger besteht das gesamte Werk über eine ganz besondere Beziehung. Während Passan den Killer endlich überführen will, sieht dieser ihn als Ideal der Männlichkeit, was die Besessenheit letztlich beidseitig erscheinen lässt.

23 Jul
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