eBook-Welt

Wie ein Prozess ein Leben zerstören kann

Kafka - Der ProzeßZwei Wochen ist es her, als ich an dieser Stelle, in exakt diesem Blog über ein Werk sprach, welches unser deutsches Rechtswesen thematisierte. Ferdinand von Schirach ist der Autor des 21. Jahrhunderts, der uns die Tücken der Justiz in immer wieder neuen Facetten in einen literarischen Rahmen verpackt. Im aktuellsten Stück spricht er dabei über das Thema Folter und wie leicht wir doch etwas glauben wollen, was gar nicht da ist. Ganz unbekannt ist die Problematik nicht. Franz Kafka hat Ähnliches von einer anderen Perspektive aus und in seinem ganz sonderbaren Stil bereits lange vor dem Juristen von Schirach aufgeschrieben. „Der Prozeß“ ist eines der wichtigsten Aushängeschilder unserer Literaturgeschichte. Es zeigt, wie schnell ein Leben aus den Fugen geraten kann.

Josef K. – Ein ganz normaler Bürger?

Josef K. ist Bankbeamter und eigentlich ein Musterbeispiel des aufstrebenden Jungbürgers. An dieser Ansicht hält er selbst auch im Werk noch lange Zeit fest, obwohl sich mehr und mehr die kritischen Stimmen sammeln, die in K. einen Verbrecher sehen. Man spricht über ihn, den Tatverdächtigen, der angeklagt wird. Warum, weiß er nicht und auch der Leser soll es nicht erfahren. Dafür aber gibt uns Kafka einen wirren Einblick in die gesamte Justiz und stellt Personen aus allen Hierarchiestufen des Rechtswesens vor.

Zweifel am Sinn des Verfahrens

Wenn man die ersten Seiten liest, wird man schon ein wenig vor den Kopf gestoßen. K. wird aus heiterem Himmel zum Angeklagten. Er erfährt gar nicht, was man ihm vorwirft, sondern nur vom Umstand selbst. Die nächsten Tage verbringt er damit, Klarheit in den Fall zu schaffen und erlebt jedes Mal neue Überraschungen. Kursiert im Leser anfangs noch die potenzielle Vorstellung, dass er vielleicht doch etwas verbrochen haben könnte, wandelt sich dies zum Ende in blanke Fassungslosigkeit. Fassungslosigkeit darüber, durch welche banale Geschichte ein Leben beendet werden kann und wie sinnlos manches Verfahren doch wirklich sein kann.

22 Oct
Diskussion Leider noch keine Kommentare
Kommentar schreiben

Dieses Feld muss ausgefüllt werden