eBook-Welt

Umberto Eco zwischen Schein und Wirklichkeit

Eco - Der Friedhof in PragWenn man den italienischen Romanautor Umberto Eco lesen möchte, braucht man schon ein großes Maß an Konzentration und ein noch größeres, was den Willen angeht, eine Sache durchzuziehen. Ja an Eco sind schon so manche gescheitert, haben sein Werk noch vor der letzten Seite weggelegt. Ohne Frage brauchen Leser seiner Romane Nerven aus Drahtseilen. Sofern man sich aber auf ihn einlässt, bekommt man eine wirklich sehr hochwertige Lektüre vorgelegt. Eco, der Sprachästhet mit einer besonderen Vorliebe für die Semiotik, die Lehre der Zeichen, hat sich mit „Der Name der Rose“ und „Das Foucaultsche Pendel“ eine Denkmal gesetzt. „Der Friedhof in Prag“ ist sein neuestes Geschenk an die Menschheit. Es ist wieder verdammt kompliziert strukturiert und mindestens genauso hochwertig in seinem literarischen Gehalt.

Ein verwirrter Dokumentenfälscher und die Rekonstruktion des Geschehenen

Zentrale Figur ist Simonini, ein Notar, der sich seine Brötchen mit dem Fälschen von Dokumenten verdient. Davon berichtet er dem Leser in zahlreichen Tagebucheinträgen, in die sich gelegentlich auch ein anderer, der Abbe Dalla Piccola, einmischt. Diesen, so dachte Simonini, hatte er eigentlich ermordet und in der Kanalisation, die Paris durchzieht, entsorgt. Wer aber wohnt dann nebenan und wer schreibt im namens Dalla Piccolas die Reaktionen auf das eigens Verfasste? Interessanterweise sucht auch besagter Geistlicher nach Antworten hinsichtlich der Geschehnisse und seiner eigenen, irgendwie verworrenen Identität.

Alles dreht sich um eine Intrige besonderen Ausmaßes

Als William von Baskerville mit seinem Adlatus Adson von Melk in einer italienischen Abtei mysteriöse Todesfälle untersuchte, hatte man stets das Gefühl, dass es dort nicht mit rechten Dingen zuging. Auch bei der Inszenierung einer globalen Verschwörung in „Das Foucaultsche Pendel“ blieb das Szenario im gesamten Werkverlauf irgendwie von einem mysteriösen Schleier umgeben. In „ Der Friedhof in Prag“ erfährt der Leser schnell, dass alles, was dort passiert, auf der Grundlage von Lug und Trug geschieht. Welche Folgen eine zunächst als ungefährlich eingestufte Verschwörung aber haben kann und wie schnell sich ein Funke zu einem allumfassenden Flächenbrand entwickelt, ist schon ein wenig erschreckend Herr Eco. Vor allem, weil das Erzählte irgendwie gar nicht einmal so unrealistisch daherkommt.

16 Jul
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