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Still Alice ist eine bewegende Geschichte

Still AliceGanz ehrlich, wenn ich mir aussuchen könnte, was für einen Tod ich bevorzugen würde, wäre es der schnelle. Nun bin ich ein Mensch, der voll und ganz an seinem Leben hängt und keinesfalls beabsichtigt, von dannen zu ziehen. Dennoch aber habe ich schon einige Gespräche dahingehend geführt und für mich klar entschieden, dass mir ein plötzliches Ende irgendwie lieber wäre als eines, das sich lange hinzieht und nach und nach sämtliche Kräfte verzehrt. Jeder tickt da anders, jeder geht anders mit dem Schmerz um, wenn er einen lieben Menschen verliert. Es gibt da kein allgemeingültiges Rezept. Geschichten wie „Still Alice“ von Lisa Genova aber bestärken mich in meiner Annahme, dass der schnelle Tod der bessere ist.

Still Alice oder wenn Alzheimer Dich aus dem Leben reißt

Dr. Alice Howland steht voll im Leben. Ihre Familie hat einen gewissen Zusammenhalt, sie konnte drei Kindern das Leben schenken und diese zu tatkräftigen jungen Erwachsenen formen. Ihrem Mann hat sie über Jahre die Treue gehalten. Auch beruflich ist die Linguistik-Professorin steil bergauf gegangen. Sie ist angesehene Wissenschaftlerin in ihrem Fachgebiet. Plötzlich aber bekommt diese Ordnung in ihrem Leben schwere Risse und von einem auf den anderen Tag ist die rosige Welt von Alice Howland nicht mehr dieselbe. Einzelne Aussetzer machen ihr Angst, bei Vorträgen sucht sie nach Worten, die sich nicht findet. Sie lässt sich ärztlich durchchecken und erhält die brutale Diagnose, unter erblich bedingtem Alzheimer zu leiden.

Die ganze Brutalität der Erkrankung

Man kann sich ab dieser Woche im Kino davon überzeugen, wie brutal einen Alzheimer aus dem Leben reißen kann. Lisa Genovas Werk verdeutlicht das aber auch ohne bildliche Unterstützung. Alice verliert fortlaufend die Kontrolle und bemerkt ziemlich schnell, wie ihr der Boden unter den Füßen zu entgleiten droht. Dass sie ihrer Tochter, die eine Schauspielkarriere anpeilt, dort aber noch nicht wirklich Erfolg gehabt hat, durch die Alzheimer-Erkrankung näherkommt als je zuvor, ist eines der besonders dramatischen Elemente. Sehr bewegend ist ihre Endlösung. Mittels Videobotschaft übermittelt sie ihrem zukünftigen Ich auf direkte Art und Weise Suizid zu begehen, falls die Situation unerträglich wird. „Still Alice“ verdeutlicht damit die ungemein starke psychische Belastung, die einen heimsucht. Zugleich aber bekommt der Leser auch einen umfassenden Einblick in die Gedanken von Menschen, die selbst nicht erkrankt sind, aber ebenso hart am Schicksal zu knabbern haben.

4 Mar
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