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Reza Aslan zeigt uns einen Zeloten

Aslan - ZelotNormalerweise schaffen es berühmte Menschen deshalb in die Geschichte, weil andere von ihrem Leben und den Taten berichten. Dementsprechend hat man zu den herausragenden Persönlichkeiten der Menschenhistorie mal mehr, mal weniger Informationen, kann aber auch Jahrhunderte nach ihrem Ableben noch genau rekonstruieren, wo sie wie gelebt haben. Natürlich ist Geschichtsschreibung immer subjektiv und teilweise auch Inszenierung. Grundsätzlich aber erhält man durch die Schnittmenge der Äußerungen ein recht umfassendes Bild. Es gibt eine Person, die heute als unvergleichbar bedeutsam eingestuft wird, obwohl wir kaum etwas über den Menschen wissen. Wir meinen zu glauben, wer Jesus von Nazareth war und wofür er stand. Reza Aslan hat mit „Zelot“ mein bisheriges Bild komplett aus den Fugen gebracht.

Zelot – Reza Aslan zeigt Jesus, den Menschen

Schon kurz nach der Herausgabe sorgte das Werk von Aslan in den USA für jede Menge Furore. Zwar wird die Bibel nicht durchgehend kritisiert, vor allem bei der gründlichen Analyse der vier Evangelien aus dem Neuen Testament aber stieß Aslan auf viele Ungereimtheiten. Bei Markus, Lukas, Matthäus und Johannes wird deutlich vor Augen geführt, wie subjektiv Geschichtsschreibung ist und wie sonderbar sie sein kann, wenn sie im Nachhinein rekonstruiert wird. Besagte Vier, wenngleich sie ohnehin nur Namen und tendenziell eher nicht die Autoren sind, schrieben lange nach Jesus´ Ableben über den Messias, ohne ihn gekannt zu haben und mit der Brille einer späteren Zeit. Reza Aslan zeigt das vermehrt und will dem Leser vielmehr erklären, wer dieser Jesus von Nazareth wirklich war und warum sich auf ihm eine Weltreligion aufbaute, obwohl sein Wirken doch recht glanzlos blieb.

Ein Zelot, der zum Umdenken aufrief

Was Azlans Werk „Zelot“ so eindrucksvoll macht, ist die Tatsache, der er uns das alltägliche Leben,  in dem Jesus wandelte, bildlich vor Augen führt. Der Autor verdeutlicht das Wirken der Hohepriester am großen Tempel von Jerusalem, den Einfluss Roms und das stetige Hervortreten eines neuen Messias. Ja, Jesus von Nazareth, über den es wie bei keinem anderen Menschen Tausende Theorien, aber keine rechte Wahrheit gibt, war nicht der Erste, der die Verhältnisse verändern wollte. Er wurde wie viele andere, die es sich erlaubt haben aufzubegehren, gekreuzigt. Jesus, der Hochverrat beging, als er sich zum König der Juden erhob, erlitt das Schicksal vieler und war Zeit seines Lebens eine vollkommen gewöhnliche Figur. Was Aslan auch in seinen etwa 80-Seiten-Anmerkungen letztlich unbeantwortet lässt, weil es nicht anders geht, bleibt die Frage, warum man ihn der Folge zur Gallionsfigur des christlichen Glaubens erhob.

18 Feb
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