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Navid Kermani ist dort, wo der „Ausnahmezustand“ zum Alltag gehört

Kermani - AusnahmezustandOb es der Krieg in Syrien, die Talibanbekämpfung in Afghanistan oder das ewig lange Dunkelkapitel im Irak ist – Die Welt und die Menschen in ihr scheinen einfach nicht zur Ruhe kommen zu können. Unsere Generation bleibt womöglich von einem Weltkrieg verschont, wie er bereits zweimal im vergangenen Jahrhundert unzählige Menschenleben kostete. Trotzdem aber ist auch für uns im 21. Jahrhundert Krieg ein akutes Thema. Insofern müssen wir allen kampfbereiten Soldaten der Vereinten Nationen danken, dass er zumindest keinen akuten Einfluss auf unser Alltagsleben besitzt. Für Navid Kermani gehört er in den Alltag, ist der Schriftsteller doch stets dort unterwegs, wo der „Ausnahmezustand“ keinesfalls ein Sonderstatus ist.

Eine beunruhigte Welt

Sind wir ehrlich, vergeht doch kein Tag, an dem die Nachrichten nicht über irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Erdball berichten. Hat sich eine Krisenregion beruhigt, entbrennt das Feuer an anderer Stelle aufs Neue. Dabei bietet das globale Gebilde durchaus genügend Raum für die Milliarden Menschen, die auf ihm vegetieren. Kermani hat in seinem Werk zehn Regionen besucht, in welchen der tagtägliche Kampf von Konfessionen und Ideologie in ständige Auseinandersetzungen mündet. Dabei verschweigt er keinesfalls, sondern analysiert als trister Beobachter und teilweise auch direkt Betroffener, was es dort zu sehen gibt.

Korruption, Religion und Tradition

Von Indien bis nach Lampedusa haben ihn seine Reportagen aus den letzten Jahren geführt. Er zieht mit Sufis durch Pakistan und wird ein Teil der Massenproteste in Teheran. Dabei zeigt er uns einfühlsam und dennoch sehr nüchtern, welches Ausbruchspotenzial wirklich in den Krisenherden der Welt schlummert und welche Ungerechtigkeit dem Ganzen zugrundeliegt. Kermani führt Interviews mit ranghohen Politiker, die auch den Einfluss des Westens auf die korrupten Verhältnisse in ihrem Land nicht leugnen und dennoch häufig keine Erklärung für das Durcheinander der religiösen Ansichten und ihrer Verbindung zu traditionellen wie modernen Elemente vorbringen können.

14 May
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