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Khaled Hosseini – Erzähler bewegender Schicksale

Hosseini - TraumsammlerErst kürzlich hat sich die Schwedische Akademie für Alice Munro als Literaturnobelpreisträgerin entschieden und die begehrte Auszeichnung so erstmals nach Kanada vergeben. Ich bin mir ehrlich gesagt relativ sicher, dass der Preis, sofern es nicht zu tragischen Zwischenfällen kommt,  auf kurz oder lang auch nach Afghanistan geht. Da ist 1965 nämlich ein Autor geboren, der es wie kaum ein anderer der aktuell tätigen Schriftsteller schafft, mit eigentlich landestypischen Schicksalsgeschichten einem Leser so viel zu geben. Khaled Hosseini hat sicherlich noch ein bisschen Zeit, wenn man bedenkt, dass er noch nicht einmal die 50 überschritten hat und Munro bereits 82 ist. Nichtsdestotrotz aber macht er auch mit seinem neuen Roman „Traumsammler“ einen großen Schritt in Richtung Literaturnobelpreis.

Ein Geschwisterliebe, die keine Grenzen kennt

Hosseinis Thema war schon bei den bisherigen zwei internationalen Bestsellern „Drachenläufer“ und „Tausend strahlende Sonnen“ die innige Verbindung zwischen zwei Menschen. Damit spricht er einen Bereich des Lebens an, den wir alle auf irgendeine Art und Weise kennen und der uns dennoch in immer wieder neuen Facetten begegnen kann. „Traumsammler“ ist die Geschichte von Abdullah und seiner kleinen Schwester Pari. Diese wird aufgrund ärmlicher Familienverhältnisse zur Adoption freigegeben und erhält im Alter von nur drei Jahren neue Eltern. Was vorrangig den Eindruck macht, der Vater möchte ihr ein schöneres Leben ermöglichen, geschieht letztlich aus der blanken Verzweiflung, die Familie irgendwie ernähren zu wollen. Für uns, den gut situierten Bürger der westlichen Himmelsphäre, wirkt ein derartiges Vorgehen undenkbar. In einem Bergdorf Afghanistans, in welchem die Taliban ihr Unwesen treiben, ist das brutal authentischer Alltag.

Die eigenen Wurzeln vergisst man nicht

Nachdem Pari zunächst noch bei ihren neuen Eltern in Kabul lebt, entscheidet sich ihre Adoptivmutter Nila, den Mann trotz schwerer Krankheit zurückzulassen und mit Pari nach Frankreich zu gehen. Dort wird Pari mit ihr unbekanntem Luxus konfrontiert. Sie scheint damit klarzukommen, besitzt aber auch immer das Gefühl, etwas würde ihr im Leben fehlen. Nila versinnbildlicht eines der anderen gewöhnlichen Schicksale, die uns Hosseini aus seiner Heimat vorführt. Auch sie ringt damit, Pari eine bessere Zukunft ermöglichen zu wollen. Ein weiterer Handlungsstrang stellt uns Parwana vor, Abdullahs Stiefmutter, deren Zwillingsschwester nach einem mysteriösen Unfall zum Pflegefall wurde. Auch Marko, ein griechischer Arzt, der Kindern in Afghanistan helfen will, rückt ins Rampenlicht. Dass Hosseini in allen Personen eigene Erfahrungen bündelt, ist ein weiteres Charakteristikum seiner bewegenden Lektüre.

29 Oct
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