eBook-Welt

Jennifer Teege spricht über ihren Großvater Amon Göth

Teege - Amonch habe schon einige, gar unzählige autobiographische Schriften gelesen, die sich mit dem Thema Holocaust, mit der Shoah, befassen. Die meisten von ihnen eint die Tatsache, dass sie von Autoren und Autorinnen der so genannten dritten Generation verfasst wurden. Diese hat den Holocaust selbst nicht erlebt und kennt die monströsen Ereignisse nur aus dem Schulunterricht beziehungsweise aus den Gesprächen mit den Verwandten früherer Generationen. Genau da aber liegt das Problem, denn unsere Eltern- und Großelterngeneration schweigt über dieses Thema, je mehr man persönlich davon betroffen war. Dieses Schweigen ist gefährlich wie auch Jennifer Teege feststellen musste. Die Halb-Nigerianerin, die heute in Hamburg lebt, hat ihr Erlebnis in „Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“ zusammengestellt.

Amon – Ein Großvater, den niemand haben möchte

Selbst, wenn ich bereits einige Schriften zur Thematik gelesen habe, überraschte mich die Geschichte von Teege zutiefst. Ihre Story ist derart besonders, dass sie alles Bisherige in de Schatten stellt. Jennifer Teege wurde in jungen Jahren von ihrer Mutter Monika zur Adoption freigegeben. Man entschloss auch gegen eine Ausreise nach Nigeria, dem Heimatland des Vaters. Bei ihren Adoptiveltern erlebte sie eine normale Kindheit, wird ohne wenn und aber integriert. Ihre Hautfarbe spielt keine Rolle. Teege entwickelt sich zu einer gestandenen Frau, die in der Medienwelt Fuß fasst, Ehefrau und Mutter wird sowie eine Leidenschaft für Bücher entdeckt. Jene Leidenschaft verändert im Alter von 38 ihr Weltbild. In der Bibliothek greift sie zu einem Buch, in dem die Geschichte ihrer Mutter abgedruckt steht. Dort wird auch von Monikas Vater, Jennifers Großvater berichtet. Es ist Amon Göth – der KZ-Kommandant aus „Schindlers Liste“ bzw. dessen reales Vorbild.

Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen: Ein sehr persönliches Buch

In ihrem Werk berichtet Jennifer Teege sehr emotional über die folgenden Recherchen, den Umgang mit der neu gewonnenen Familiengeschichte. In Zusammenarbeit mit Nikola Seelmair, die viel historisches Hintergrundmaterial zu den behandelten Personen und den engsten Vertraute Teeges liefert, ist ein sehr persönliches Buch entstanden. Teege stellt sich viele Fragen, die sie selbst, aber vor allem auch ihre Großmutter betreffen. Wie kann man einen Mann lieben und mit ihm Partys feiern, wenn er täglich über den Tod von zahlreichen Menschen entscheidet und die Schüsse des KZ unmittelbar nebenan ertönen. Amon Göth war ein besessener Sadist, der Juden aus Spaß malträtierte, seine abgerichteten Hunde auf die Insassen hetzte und der selbst bei der  ausgeübten Todesstrafe noch keine Reue zeigte. Jennifer Teege ist ihr komisches Gefühl anzumerken, obwohl sie nichts für die Taten ihres Großvaters Amon kann. Es ist jenes Laster, von dem sich die Frau, die übrigens selbst in Israel studiert hat, hebräisch spricht und viele Freunde besitzt, die Angehörige im KZ verloren haben, wohl nie entziehen kann.

20 May
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