eBook-Welt

Hannes Jaenicke will wachrütteln

Hannes JaenickeGenerell halte ich nicht allzu viel von Prominenten, die meinen sie müssten ein Buch schreiben, um auch noch in diesem kulturellen Bereich Präsenz zu zeigen. Natürlich stecken da häufig kommerzielle Absichten dahinter. Die wenigsten Werke  vermitteln einen Inhalt, der unbedingt an die Massen drängen muss. Hannes Jaenicke ist da mal ein positives Gegenbeispiel und ein Zeichen dafür, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. „Die große Volksverarsche“ ist seit Wochen an der Bestsellerspitze, nicht wegen dem Autor Jaenicke, sondern wegen dem, was er geschrieben hat. Der Schauspieler beweist journalistische Fähigkeiten, sein zweites Schriftstück wirkt sehr gut recherchiert.

Anklage gegen Lobbyisten

Schon in seinem literarischen Debüt „Wut allein reicht nicht“ prangerte der Hesse die globalen Zustände an. Dabei stieg er keinesfalls nur in den Kanon des Bisherigen ein, sondern produzierte eine eigene Sicht auf die Dinge. Als Umweltaktivist hat er sich bereits in mehreren Projekten eingesetzt. Dementsprechend glaubwürdig kam dann auch sein Werk herüber. Bei „Die große Volksverarsche“ ist das ähnlich. Fundiert erscheint seine Anklageschrift, die sich vor allem gegen unser humanes Konsumverhalten und diejenigen richtet, die davon skrupellos profitieren. Auf eine kürzlich gestellte Interviewfrage, wie er denn mittlerweile zu Bundesumweltminister Altmaier steht, reagierte Jaenicke mit positiver Wertschätzung. Dass die Energiewende bisher nicht geschafft wurde, ist keinesfalls die Schuld des hochqualifizierten und sympathischen Politikers. Vielmehr liegt das Übel bei den Einflussfaktoren, die auf politische Entscheidungen Zugriff haben. Die Lobbyisten spielen dabei eine nicht ganz unerhebliche Rolle.

Wie wir unser blenden und unterhalten lassen

Was das Lesen besonders interessant macht, ist das ständig mitschwingende persönliche Schuldgefühl, das in einem rumort. Jaenicke hat schon Recht, wenn er davon spricht, dass wir Jeans preiswert einkaufen wollen, die menschenunwürdige Produktionsgeschichte dabei aber ausblenden. Gestützt wird das von unserer Medienwelt. Zwar gehört der Autor selbst zu ihr, ist ein Teil des Ganzen, die vermeintlichen Realityshows tragen aber mehr zur Volksverblödung als zur Unterhaltung bei. Politiker möchte Jaenicke im Übrigen nicht werden, sein Metier bleibt nach eigenen Angaben die Schauspielerei. Obwohl er sich in Sachen Schreiben ja mittlerweile auch ganz gut etablieren konnte.

9 Jul
Diskussion Leider noch keine Kommentare
Kommentar schreiben

Dieses Feld muss ausgefüllt werden