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Edward Lee ist nichts für schwache Nerven

Lee - IncubusManchmal, da braucht man einfach einen Thriller, der nicht dazu da ist, perfide Dinge zu umschreiben, sondern die Szenerie stichhaltig beim Schopfe packt. Dafür bedarf es einen Autor, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Einen, der einfach darauf losschreibt und sich keine Platte darüber macht, ob seine Worte den Gepflogenheiten der normregulierten Gesellschaft passen. Edward Lee ist wahrlich kein Autor, der vor obszöner Darstellung haltmacht. Kein Autor, der umschreibt, sondern einer, der es so schreibt wie es ist oder zumindest wie es in seiner Fantasie erscheint. Richard Laymon spricht bei „Incubus“ von literarischer Körperverletzung. Das ist eine Meinung, meine tendiert zu einfach unterhaltsamer Lektüre.

Incubus ist ein Dämon, der Träume ausnutzt

Wer zartbesaitete Nerven hat, sollte ein Werk wie „Incubus“ gar nicht erst zur Hand nehmen. Sowohl das, was beschrieben wird als auch wie es beschrieben wird, sind keine leichte Kost und ohne Frage nur etwas für Hartgesonnene. Wer aber bisher bei Edward Lees Schriften begeistert dem Geschehen folgen konnte, wird auch an „Incubus“ große Freude haben. Der Titel lässt bereits erahnen, in welche Richtung es geht. Der Mythologie nach handelt es sich um einen Waldgeist, der sich des Nachts zu einer Frau legt und den Beischlaf vollzieht, ohne dass sie davon Wind bekommt. Der Dämon, der bei Lee sein Unwesen treibt, verfolgt eine identische Herangehensweise und findet in Veronica das perfekte Opfer.

Incubus – Ein bisschen Liebe, ein bisschen Drama und viel Horror

Veronica Polk möchte endlich einen Menschen in ihrem Leben haben, der ihr Liebe und Geborgenheit schenkt. In einem Fremden scheint die Suche ein Ende zu haben. Worauf sie sich dabei aber mehr oder weniger aktiv einlässt, ahnt sie gar nicht. Der Heilsbringer entpuppt sich nämlich als echtes Horrorszenario für die Hilflose, die sich nach Zärtlichkeit sehnt. „Incubus“ reiht sich demnach sowohl vom Thema als auch der Ausgestaltung nahtlos in Edward Lees literarischen Kanon ein. Definitiv ist dieses Horrorwerk nichts für jedermann.

8 Jul
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