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Doron Rabinovici fühlt sich ständig „Andernorts“

Rabinovici - AndernortsFür Schriftsteller mit jüdischen Wurzeln ist es seit der Shoah nicht ganz so einfach zu schreiben. Sie  müssen sich mit dem Geschehenen auseinandersetzen und werden von allen Seiten auf ihre Gedanken zur epochal einschneidenden Problematik reduziert. Das bürgt große Gefahr für Autoren des 21. Jahrhunderts, sind sie doch lediglich über die parentale Generation mit den Ereignissen von 1933-1945 verbunden. Der Österreicher Doron Rabinovici ist so ein jüdischer Schriftsteller, wenngleich er diese Bezeichnung selbst als nicht rechtmäßig ansieht. Wie viele seiner Leidgenossen versucht er, sich in seinen Werken persönlichen Identitätsfragen zu stellen. Andernorts bringt die Schwierigkeit dessen bereits im Titel zur Sprache.

Ethan Rosens Heimat ist immer „Andernorts“

Wichtiger Akteur ist der angesehene Kulturwissenschaftler Ethan Rosen, der gleich in der Eingangsszene versucht, seine Identität zu verschleiern, um sich nicht dafür rechtfertigen zu müssen, als Jude in Österreich zu leben. Wohl fühlt er sich weder am Ort seines primären Wohnsitzes noch in der Heimat der Eltern, die in Israel leben. Heimat ist für Rosen ein schwieriger Begriff. Er ist ein Kosmopolit, der nirgendwo zuhause ist, der scheinbar losgelöst hin und her pendelt und dessen wahrer Hort stets andernorts bleibt. Rosen wird Mittelpunkt einer brisanten Akademiker-Auseinandersetzung um den Wert von jiddischen Jugendausflügen in die früheren Konzentrationslager. Dabei sind es vor allem seine sich widersprechenden Aussagen, die jene Diskussion ins Rollen bringen.

Wo ist dieses „Andernorts“?

Rudi Klausinger ist ein anderer Wissenschaftler, der einen Nachruf auf einen bekannten Juden geschrieben und dabei Rosen zitiert hat. Da er selbst nicht dazu in der Lage war, diesen Nachruf auf seinen väterlichen Freund Dov Zedek zu schreiben und kontinuierlich alle kritisch sieht, was nicht von ihm kommt, schreibt er eine Antwort auf diesen Nachruf. Dabei greift er das aufgegriffene Zitat an, das letztlich von ihm selbst kam. Klausinger wird im Lauf des Werkes ein Gegenspieler Ethans, um schlussendlich zum Schatten zu mutieren, der nun einen anderen Weg hin zur eigenen Identitätsfindung symbolisiert. So viel sei verraten, es gelingt weder Ethan noch Rudi, sich am Ende irgendwo beheimatet zu fühlen. Denn die wahre Heimat bleibt immer „Andernorts“, vollkommen gleich, wo das eigentlich ist.

3 Dec
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