eBook-Welt

Die verschiedenen Facetten von Schuld

Wenn man Ferdinand von Schirach einmal gelesen hat, weiß man, dass „Schuld“ immer eine sehr breit zu definierende Sache ist. Natürlich ist jemand nach dem Gesetz schuldig, wenn er nach dem Gesetz  ein Verbrechen begeht. Voraussetzung dafür ist aber, dass man ihm dieses Verbrechen auch nachweisen kann. von Schirach ist ein eindrucksvoller Autor, eben weil er nichts beschönigt und es bei vielen Fällen am Ende noch einmal schafft, den Leser zu verwundern. Wenn man den Abschluss vieler Geschichten des Strafverteidigers so im Raum stehen lässt, erkennt man die großen Lücken unseres Rechtssystems, aber eben auch seine Vorteile.

In einem Fall zum Beispiel wird eine Frau jahrelang misshandelt, ehe sie ihren Ehemann im Schlaf erschlägt. An sich ist es ein Mord, da er schläft und die Tat folglich heimtückisch geschieht. Bedenkt man aber, dass er angekündigt hat, sich folglich nicht nur an ihr, sondern auch an der gemeinsamen Tochter zu vergehen, wird es als Notwehr gewertet. Dass sie die Tat letztlich gar nicht selbst vollzogen haben kann, führt von Schirach ganz nebenbei noch mit an. Sehr eindrucksvoll ist auch der Fall eines Psychopathen, dessen Krankheit erst auffällt, als er von einem Auto erfasst wird, ganz nebenbei noch vor seiner Straftat.

21 Mar
Diskussion Leider noch keine Kommentare
Kommentar schreiben

Dieses Feld muss ausgefüllt werden