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Die Akte Kachelmann – ein Spielball der Gesellschaft

Der französische Historiker Roger Chartier, über den ich bereits im vergangenen Beitrag gesprochen habe, hat vor knapp dreißig Jahren eine Abhandlung über den Einfluss der Medienwelt auf das Gesellschaftsverhalten der Menschen verfasst. Teil dieser Argumentation war es unter anderem, dass die Medienwelt einen Spiegel der gesellschaftlichen Interessen darstellt, ihre Bedürfnisse zu befriedigen versucht, gleichzeitig aber Produkt der gesellschaftlichen Diskussion darstellt. Was würde Chartier behaupten, wenn er sich den Fall Jörg Kachelmann aus dem vergangenen Jahr anschaut? Haben wir als Gesellschaft diese Hasstriaden, die in den Medien gegen ihnen aufgebracht wurden, selbst verursacht, weil wir als Gesellschaft nichts anderes hören wollten? Wollten wir einen Skandal, der mit dem sauberen Image eines Wetterexperten abrechnet oder sind wir nur von den Medien in unserer Meinungsbildung geleitet wurden?

Diese Fragen sind eine Betrachtung wert und obwohl Kachelmann mittlerweile von den Beschuldigen freigesprochen wurde, mehr oder minder aufgrund von Beweisen, betrachten wir diesen Vorfall nach wie vor entweder aus der einen oder aus der anderen Blickrichtung. Kaum einer blieb und bleibt neutral, jeder ergreift Partei, entweder pro oder contra Kachelmann. Autor Thomas Knellwolf plädiert dafür, aus dieser subjektiven Sicht eine objektive zu machen und stellt in seinem Werk „Die Akte Kachelmann“ sämtliche Positionen und Vorfälle gegenüber. Er integriert Interviews und Gespräche mit direkt Beteiligten, mit Freunden und mit Experten, damit es dem gesellschaftlichen Laienbürger möglich ist, seine eigene Sicht aufgrund bisher unbekannter Tatsachen selbst zu entwickeln – falls es mit Blick auf die eingangs angebrachte Bemerkung nicht schon längst passiert ist.

11 Jul
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