eBook-Welt

Der Fall Collini – Eine allzu verständliche Tat

Jurist Ferdinand von Schirach hat mit seinen beiden Kurzgeschichtensammlungen „Schuld“ und Verbrechen“ wahrlich den Nagel auf den Kopf getroffen und auf dem Literaturmarkt mehr als nur eingeschlagen. Die Leser erhoben die beiden Werke in kürzester Zeit zum Bestsellerstatus, was nicht zuletzt daran lag, das von Schirach einen blendenden Einblick in das Rechtswesen des Landes lieferte. Nun erzählt er in „Der Fall Collini“ intensiv von einem einzigen Fall, der durch die längere Erzählung vielleicht nicht ganz so schockierend wirkt wie die kürzeren Beispiele, in seiner eindrucksvollen Art aber keinesfalls als geringere literarische Leistung anzusehen ist.

Ich persönlich war schon immer ein Riesenfan solcher Geschichten und so grausam die Tat auch ist, die der Werkzeugmacher  Fabrizio Collini am Anfang des Werkes verübt – man hat schon auf den ersten Seiten Mitgefühl mit ihm. Einen 85-Jährigen hat er mit vier Schüssen getötet, eh er ihm das Gesicht zertritt, die Polizei anruft und in der Hotellobby seelenruhig auf seine Festnahem wartet. Er schweigt, gesteht den Mord, aber nicht das Motiv, weshalb der junge Strafverteidiger Capsar Leinen lange im Dunkeln tappt. Als er erkennt, dass es sich bei dem Opfer um einen alten Freund handelt, will er den Fall hinschmeißen, doch das Interesse siegt letztlich über die Moral. So forscht Leinen nach dem Motiv und deckt eine Geschichte der Vergangenheit auf, welche die Tat vielleicht nicht rechtfertigt, sie aber zumindest für jeden Normalsterblichen verständlich werden lässt.

27 Oct
Diskussion Leider noch keine Kommentare
Kommentar schreiben

Dieses Feld muss ausgefüllt werden