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Andrea Camilleri schreibt über „Das Netz der großen Fische“

Camilleri - Das Netz der großen FischeDass die Mafia keinesfalls eine Erfindung der finanzorientierten Medienbranche ist und ihr Einfluss sogar den des legendären „Il Padrino“ weit übersteigt, ist gerade in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Die Enthüllungsbücher von Leuten wie Roberto Saviano haben in brutal deutlicher Art und Weise offenbart, wie Ndranghta, Cosa Nostra und Camorra von Italien ein globales Netzwerk geschaffen haben. Deutlich zu sagen ist auch, dass hierbei nur jene Institutionen erwähnt werden, die am Stiefel des Kontinents ihre Keimzelle besitzen. Andrea Camilleri ist ein Autor, der sich dessen stets bewusst war. Er ist damit aufgewachsen und gehört zu all jenen, für die gesetzeswidrige Geschäfte stets das eigene Leben bestimmten. Der Sizilianer hat sämtliche Erfahrungen in seine Romane einfließen lassen. „Das Netz der großen Fische“ ist ein weiteres dieser Stücke, in denen das tägliche Wirken der Mafia fiktiv verdeutlich wird.

Das Netz der großen Fische – Politik, Justiz, Medien und ein Mord

Den Titel „Das Netz der großen Fische“ hat Camilleri wie gewohnt nicht zufällig gewählt. Er verschleiert das Geschehen, was erzählt wird, metaphorisch. Beginnend mit den Ermittlungen in einem Mordfall begleitet der Leser den Hauptprotagonisten Michele Caruso, seinerseits Programmdirektor bei RAI in Palermo. Die Tochter eines einflussreichen Politikers wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Hauptverdächtiger ist ihr Verlobter, der die Tat selbstverständlich abstreitet. Caruso muss strategisch abwägen, wie er in diesem Fall berichtet, denn jedes Wort und jede gezeigte Geste in den Nachrichten kann gravierende Auswirkungen haben. Schließlich ist es ein gefährliches Spiel, in dem sich Politik, Justiz und eben auch die von Caruso vertretenden Medien dort versuchen.

Camilleri zeigt einmal mehr die große Verstrickung

Sinnbildlich ist es in den Werken Camilleris auch immer so, dass  eine Handlung, sei sie noch so unabhängig und eigenständig, stets große Auswirkungen auf das Gesamtkonstrukt hat. Auch bei „Das Netz der großen Fische“ führt jede Tat in eine andere, nichts bleibt reaktionslos im Raum stehen. Die einzelnen Parteien, die sich dabei gegenüberstehen, spielen mit großen Mitteln und einer stets undurchsichtigen Taktik. Dass da nebenbei scheinbar Unbeteiligte ihren Stuhl räumen müssen oder einfach von der Bildfläche verschwinden, wird größtenteils hingenommen und vom Schriftsteller Camilleri in seiner gewohnt nüchternen Schreibart unkommentiert gelassen.

13 May
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